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Alle Preisträger

Preisträger des Awards: "Journalistinnen und Journalisten des Jahres - Deutschland"

2019

Journalist des Jahres: Moreno Juan
"Juan Moreno ist zu verdanken, dass Ende 2018 der Spiegel-Journalist Claas Relotius als notorischer Betrüger entlarvt wurde. Moreno zeigte als Reporter die Hartnäckigkeit des gründlichen Rechercheurs und ehrlichen journalistischen Handwerkers. Zudem bewies er den Mut, für die Wahrheit persönlich viel aufs Spiel zu setzen, da ihm zunächst niemand glauben wollte. Die Folgen seiner Recherchen werden die Debatten über Qualitätsjournalismus weit über 2019 hinaus prägen. ..." (Moreno, freier Reporter, Der Spiegel)
Chefredaktion national: Löwisch Georg
"Löwisch führt zusammen mit seinen Stellvertreterinnen Katrin Gottschalk und Barbara Junge die taz als Chefredaktion des Jahres: Und fördert damit eine Redaktion, die analysestark, engagiert und dennoch 'tazzig' ist. Im anhaltenden mutigen Umbauprozess hin zur reinen Digitalversion positioniert Löwisch die taz als nachhaltiges Recherchemedium (von Hannibal bis Ost-taz), stärkt europaweite Kooperationen, baut Livestream-Reports aus - und ermöglichte damit exklusive Storys. Nicht nur dank der Hannibal-Recherche: Die taz setzte 2019 in der ersten Riege der Überregionalen neue Standards."
Chefredaktion regional: Maroldt Lorenz und Sauerbrey Anna
"Obwohl 15 Jahre im Amt, erfindet Lorenz Maroldt sich und seine Zeitung immer wieder neu - mit weiteren Newslettern wie den profitablen Backgrounds für Fachleser, als Kontrabassist in der Checkpoint-Band oder mit dem journalistischen Großprojekt 'Story First'. Seine beste Entscheidung 2019: Anna Sauerbrey ins Chefredaktionsboard zu holen. Mit ruhiger, kluger Hand führt sie das Meinungsressort; das von ihr aufgebaute Debattenportal Causa sucht seinesgleichen. Ihr frischer Blick tut dem Hauptstadtblatt gut. Beide machen den Tagesspiegel zur Nr. 1 in Berlin."
Politik: Dittert Annette
"Das ARD-Büro in London sollte ihre letzte Station als Auslandskorrespondentin werden. Sagte Annette Dittert vor fünf Jahren. Gut, dass sie es sich anders überlegt hat. Im Januar 2019 kehrte sie für eine zweite Runde an die Themse zurück, als Studioleiterin und international bestens vernetzte Korrespondentin. Ihr Publikum hierzulande weiß es zu schätzen: Ditterts Brexit-Analysen in Tagesschau und Tagesthemen sind erstklassig. Geistreich und lesenswert auch ihre Tweets. Kaum jemand kann britische Demokratie on- und offline so gut erklären wie sie."
Wirtschaft: von Buttlar Horst
"Der Chefredakteur und Geschäftsführer von Capital hat dem Magazin nach einem Relaunch gerade die drei wirtschaftlich erfolgreichsten Jahre beschert und sich gegen Herausforderer wie Bilanz souverän behauptet. Fast unbemerkt von einer breiten Öffentlichkeit hat von Buttlar Capital zu einem spannenden und lebensnahen Debattenmagazin für Wirtschaft und Gesellschaft gemacht. Das ist ein erfolgreicher Neustart, der über einen Relaunch weit hinausgeht."
Kultur: Hensel Jana
"Allein für ihr präzises, analytisches Stück 'Ihr und Wir' zur Frage, inwiefern die Wiedervereinigung ein kolonialer Akt war, hat Hensel diesen Preis verdient. Bei der Zeit war sie in einem für Ostdeutschland ereignisreichen Jahr eine aufklärende Stimme, die andere Perspektiven auf Deutschland aufzeigte. Dank ihrer Essays, Kommentare, Reportagen oder dem erhellenden Interview mit Angela Merkel sind in der öffentlichen Ost/West-Debatte all die blinden Flecke und Vorurteile präsent. Es kann ihr nicht hoch genug angerechnet werden." (Hensel, freie Autorin, Zeit/Zeit Online)
Unterhaltung: Böhmermann Jan
"Mit seiner Sendung 'Neo Magazin Royale' hat Böhmermann 2019 erneut gezeigt, was ZDFneo, ach, was TV-Deutschland an ihm hat: Unterhaltung, die mutig und grenzüberschreitend ist, dabei satirisch und politisch-präzise. Und er wird mit seinem Team immer besser. Wie er die Story über die Restitutionsforderungen der Hohenzollern weiterdrehte, den 'Ibiza'-GAU Österreichs immer wieder anstachelte, die Kandidatenkür für den neuen SPD-Vorsitz aktiv 'begleitete' oder wie er mit dem Lied 'Licht an, Licht an!' die FAZ-Geburtstagsfeier kommentierte - Glanzstücke, die Debatten anstoßen."
Wissenschaft: Kreutzfeldt Malte
"Kreutzfeldt ist eigentlich primär Redakteur für Wirtschaft und Umwelt. Aber er war es, der 2019 mit wissenschaftlicher Präzision aus der Diesel-Feinstaub-These der Lungenärzte, nun, die Luft rausließ. Indem er das machte, was andere längst hätten machen müssen: Er rechnete nach. Und enthüllte, dass dem Lungenarzt-Aufruf über die Harmlosigkeit von Diesel-Feinstaub falsche Berechnungen zugrunde liegen. Das Ergebnis präsentierte Kreutzfeldt in einer für Zeitungsstandards ungewöhnlichen Form: Er veröffentlichte seinen Rechenweg auf einer ganzen Doppelseite." (Kreutzfeldt, taz)
Sport: Best Benjamin
"Ohne Zweifel die beste Rechercheleistung im Sport 2019: die TV-Reportage 'Gefangen in Katar' über die Ausbeutung von Gastarbeitern im WM-Land Katar, die die Fifa wissentlich duldete. Als Folge seiner Beiträge für WDR Sport inside und die ARD-Sportschau musste die Fifa erstmals öffentlich einräumen, dass es auch auf WM-Baustellen zu Verstößen gegen internationale Arbeitsstandards gekommen ist, zwei Baufirmen wurden von ihrem Auftrag abgezogen. Der Korruptionsspezialist Best hat bewiesen, wie wirkmächtig aufklärender Sportjournalismus sein kann." (Best, freier Autor, ARD/WDR)
Reportage national: Feldmann Julian
"Ende November 2018 gelang Feldmann (mit Robert Bongen für Panorama) ein Interviewscoop: ein Gespräch mit dem ehemaligen SS-Mann und verurteilten Kriegsverbrecher Karl M. ('Ich bereue nichts'). Dies und seine langjährigen Recherchen in der rechten Szene (aktuell im Mordfall Lübcke) machten ihn zur Zielscheibe von Rechtsextremisten, die NPD rief zur Demonstration gegen ihn auf. Dass Feldmann trotzdem an dem Thema dranbleibt, gerade als freier Journalist, verdient höchste Anerkennung." (Feldmann, freier Autor, NDR)
Reportage regional: Iskandar Katharina
"Sie ist eine Journalistin für extreme Fälle: Ob rechtsradikale Umtriebe in der Frankfurter Polizei oder islamistische Terroristen in Südhessen - sie fällt stets durch hartnäckige Recherche auf, gepaart mit einer wohltuend kühlen, klaren Schreibe in aufgeregten Zeiten. So deckte die Polizeireporterin der Rhein-Main-Ausgabe der FAZ unbekannte Verbindungen zum NSU auf und wandte sich gegen Einzelfall-Vermutungen. Auch wie sie im Kasseler Mordfall Lübcke recherchierte und die Informationen analysierte, zeugt von großer Sorgfalt."
Team: Erb Sebastian, Nabert Alexander, Schulz Daniel, Schmidt Christina (Lead-Autorin), Kaul Martin
Hannibals Schattenarmee, taz
Lebenswerk: Friedrichsen Gisela
"Friedrichsen ist die Großmeisterin der Gerichtsreportage. 27 Jahre lang hat sie für den Spiegel über Prozesse und Gerichte, über Täter und Opfer geschrieben und Maßstäbe gesetzt - nicht nur im eigenen Genre, sondern auch im öffentlichen Bewusstsein für Recht und Unrecht. ..."
Sonderpreis: Ott Klaus und Soyer Tom
"Sonderpreis für die Initiatoren der SZ-Werkstatt - stellvertretend für alle Projekte 'Journalismus macht Schule'."

2018

Journalist des Jahres: Stephan Lamby
"... Er zeigt sich in seinen Filmen immer wieder als ungewöhnlich talentierter 'Menschenöffner': Er fragt klug und unvoreingenommen und nimmt seine Pro­tagonisten erkennbar ernst und wichtig. Zugleich gelingt es ihm als Interviewer beispielhaft, gleichzeitig Vertrauen zu schaffen und Distanz zum Gegenüber zu wahren. Lambys Langzeitblick in seinen Politik-Dokumentationen ist ein Kontrapunkt zum kurzlebigen Schlagzeilenbetrieb und ermöglicht journalistisch vorbildlich dem Publikum ein Verständnis von komplexen politischen Entscheidungen. So entstehen echte filmische Meisterwerke als wichtige Dokumente der Zeitgeschichte."
Chefredaktion national: Daniel Drepper
"Er hat eine Ansage gemacht und sie gehalten: 'Man wird uns spüren.' So drehte er das Image von Buzzfeed ... Er bewies mit investigativen Recherchen und starken Live-Reporter-Einsätzen, wie bequem einige alteingesessene Medien sind. Er hat ein kleines, feines Team für 'News' zusammengestellt, dem es bravourös gelingt, gesellschaftlich höchst relevante Storys zu platzieren. Die Redaktion füllt dabei nicht zuletzt Lücken, die der deutsche Medienmarkt sträflich vernachlässigt hat - Grundwerte, LGBT, sexualisierte Gewalt."
Chefredaktion regional: Hannah Suppa
"Sie ist eine der jüngsten Chefredakteurinnen Deutschlands und hat, seit sie bei der Märkischen Allgemeinen 2017 die Führung übernahm, Team und Arbeitsprozesse konsequent auf Zukunftskurs gebracht. So lässt Suppa jeden einzelnen Reporter auf web to print umschulen. Mit 'Jugend in Brandenburg' läuft ein Langzeitprojekt für Volontäre, das gleich im ersten Jahr der Bundespräsident würdigte. Neu ist auch ein Leserstammtisch mit ihr einmal im Monat. So geht moderner Lokaljournalismus!"
Politik: Melanie Amann
"Unermüdlich berichtete sie im Spiegel über die AfD. Und obwohl sie so nah dran ist an Politikern wie nur wenige und sie von Klagen überzogen wird, zeichnet sich ihre Berichterstattung dadurch aus, dass sie immer fair, offen und sachlich bleibt. Sie ist stets bemüht um Differenzierung und findet überraschende Zugänge zum Thema. Ähnlich besonnen und hartnäckig hielt es Amann auch mit der CSU im vergangenen Jahr. Vorbildlich!"
Wirtschaft: Rafael Buschmann und Michael Wulzinger
"Sie sind die treibenden Kräfte von Football Leaks. Den Autoren ist durch ihre Enthüllungen im Spiegel nicht nur ein weltweiter Scoop gelungen, sondern auch der Nachweis, dass moderne Berichterstattung die Ressortgrenzen sprengt und Wirtschaft, Sport und Politik verbindet. Der Kern ihrer Geschichten: Sie demaskierten die fragwürdige Praxis im Milliardengeschäft um den Fußball. Seit Herbst läuft die zweite große Welle an Storys. ..."
Kultur: Julia Encke
"Sie hat dieses Jahr mehrfach bewiesen, wie wichtig Investigativrecherche auch im Feuilleton sein kann. Etwa mit ihrer Arbeit über sexuellen Missbrauch im Umkreis von Dichter Stefan George und die Rolle seines 'pädagogischen Eros' im Dunstkreis der Odenwaldschule. Und als Rowohlt-Chefin Barbara Laugwitz kurzerhand gegen Florian Illies ausgetauscht wurde, war sie anfangs die Einzige, die die augenscheinliche Sehnsucht nach einer 'charismatischen Verlegerfigur' der anderen Kommentatoren kritisch befragte und die Misogynie eines 'boys networks' offenlegte."
Unterhaltung: Markus Lanz
"Zum Zehnjährigen 2018 hat Markus Lanz seine Talkshow zur verlässlichen Publikumsgröße im ZDF gemacht und zahlreiche Quotenhöhepunkte gesetzt. Mehr denn je zeigt sich seine Stärke darin, politische Themen auf die 'Jedermann'-Perspektive runterzubrechen und Menschen mit ungewöhnlichen Biografien eine Bühne zu bereiten. Er kann zuhören und stellt Fragen, die viele bewegen ..."
Wissenschaft: Mai Thi Nguyen-Kim
"Seit Mai 2018 ist die promovierte Chemikerin das neue Gesicht des Magazinklassikers 'Quarks & Co' - und ein vielversprechender Wind in der TV-Wissenschaftsgemeinde. Als neue Moderatorin ist sie in die Fußstapfen von Ranga Yogeshwar getreten ... Die 31-Jährige hat sich als Youtuberin und mit ihrem furiosen Wissenschaftskanal MaiLab bei Funk bereits eine große Fangemeinde erarbeitet. Ein grandios gelungener Generationenwechsel!"
Sport: Hajo Seppelt
"Unermüdlich unerschrocken: Ohne Seppelts auch in diesem Jahr wieder furios-unersetzliche Dopingnetzwerk-Recherchen für die ARD wäre die internationale Sportwelt um Längen dümmer, naiver, intransparenter. Seine Recherchen sorgten dafür, dass auch im allgemeinen Olympia-Hype das wichtige Thema Doping nicht unterging. Der Internationale Sportgerichtshof CAS schloss als Folge viele russische Sportler von den Olympischen Spielen aus. Dass Russland ihm für die WM das Visum verweigert hat, spricht für sich."
Reportage national: Christian Fuchs, Jana Simon und Annabel Wahba
"Ihre Enthüllungen haben die #MeToo-Debatte mit Wucht nach Deutschland geholt und unsere Gesellschaft profund verändert: Sie erforschten das auf sexuellen Missbrauch basierende System, mit dem TV-Regisseur Dieter Wedel seine Macht aufbaute und jahrzehntelang halten konnte. Unterstützt von weiteren Kollegen und Kolleginnen, gelang ihnen nicht nur akribische Aktenarbeit, sondern sie schafften es auch, dass sich viele Betroffene öffneten. Jeder Teil der Serie machte klar: Das ganze Land muss sich neu positionieren - gegen sexualisierten Machtmissbrauch."
Reportage regional: Katja Bauer
"Schon lange spielt Katja Bauer ganz vorn in der Liga der regionalen Hauptstadtkorrespondenten - diesmal und zu Recht auf Platz 1. Nicht nur weil sie in ihren Berichten und Kolumnen für die 'Stuttgarter Zeitung' / 'Stuttgarter Nachrichten' in kontinuierlich profunder Qualität das gespaltene Land und seine antisemitischen Strömungen analysiert. Sie war 2018 auch vorweg in der Debatte um Paragraf 219a und fand sich mit der 'Schikane für Frauen in Not' nicht ab."
Team: Ramelsberger Annette, Stadler Rainer, Ramm Wiebke, Schultz Tanjev
Preis für ihren Beitrag als Protokollanten des NSU-Prozesses: "2000 Seiten umfassen ihre Protokolle, begleitet von zahlreichen Analysen, Lesungen, Reportagen und Kommentaren. Sie haben damit auch ein Manifest geschaffen: Gegen das Vergessen. Und gegen den Hass. Ein herausragendes, wichtiges Stück Zeitgeschichte, das sich in das Gedächtnis dieser Republik einbrennt!"
Lebenswerk: Sonia S. Mikich
"Sie ist eine Ikone im Journalismus: kluge Reporterin, unerschrockene Korrespondentin, ausdrucksstarke Publizistin, kämpferischer Führungsgeist. Ihr Berufsweg mit Stationen in Aachen, Moskau, Paris und Köln beeindruckt. ... In all ihren Positionen blieb sie sich stets ihrer Haltung als werteorientierter Journalistin treu. Sie scheute sich nie, klar Position zu beziehen, auch gegen Widerstände, und bewahrte sich gleichzeitig immer einen offenen Blick für andere Positionen und neue Entwicklungen. Sie hörte zu keiner Zeit auf, Lernende zu sein. Mikich ist ein Vorbild für künftige Generationen im Journalismus."
Sonderpreis: Forbidden Stories
Das internationale Netzwerk, das der Investigativjournalist Laurent Richard in Paris gegründet hat und das Bastian Obermayer ("Süddeutsche Zeitung") als Generalsekretär betreut, sorgt dafür, dass die Recherchen inhaftierter oder getöteter Kollegen weitergehen. Das "Daphne Project" war die erste internationale Recherche von Forbidden Stories.

2017

Journalist des Jahres: Markus Feldenkirchen
Aus der Jurybegründung: "Über wohl kein Stück wurde in den vergangenen Monaten so viel debattiert wie über Markus Feldenkirchens Porträt von Martin Schulz als SPD-Kanzlerkandidat im Wahlkampf ... Dem erfahrenen Politikbeobachter gelang eine Geschichte, die den hektischen Politalltag überdauern wird, weil sie eine bisher kaum gekannte Transparenz des Politikbetriebs schuf. Die aufwändige Recherche und sorgfältige Erzählung seiner Schulz-Story 'Mannomannomann' über einen beispiellosen öffentlichen Höhenflug und Absturz beeindrucken und haben spannende Debatten ausgelöst auch über den Einfluss des Journalismus auf Politik."
Chefredaktion national: Barbara Hans
"Hans steuert Spiegel Online seit Dezember 2016 mit klarem publizistischem Kompass durch schwieriges Fahrwasser: nicht zu laut, nicht zu schnell, mit der angemessenen Mischung aus Tiefgang und Verknappung, Offenheit und Transparenz. Im Wahljahr bereicherte ihre Redaktion mit neuen Konzepten, darunter Podcast und Snapchat-Formate. Zudem positionierte sie sich mit einem klugen, programmatischen Essay zu mehr Vielfalt in Redaktionen: 'Der Journalismus droht, seine Glaubwürdigkeit zu verspielen. Es wird Zeit für einen Kulturwandel', schrieb sie. Das geht alle an - nicht nur die Redaktionen an der Ericusspitze."
Chefredaktion regional: Michael Bröcker
"Er ist der am stärksten digital denkende Chefredakteur und treibt unermüdlich Innovationen voran. Audience Engagement, Listening Center, eigene Alexa-Skills: Mit der Idee, auf Echtzeit und Empathie zu setzen, haben Bröcker und sein Team eine hauseigene Strategie gefunden, um den Spagat zwischen den Bedürfnissen der klassischen Zeitungsleser und den Anforderungen neuer Nutzungsgewohnheiten zu meistern. Auch inhaltlich spielte die 'Rheinische Post' 2017 in der Topliga: mehrfach als meistzitierte Regionalzeitung."
Politik: Robin Alexander
"Sein Buch 'Die Getriebenen: Merkel und die Flüchtlingspolitik' offenbart einen einzigartigen Blick in den Maschinenraum der Politik und ist mit die beste investigative Recherche des Jahres. Auch Robin Alexander selbst hat sich zu einer einzigartigen Stimme in den politischen Talkshows entwickelt: lustig, klug und erstaunlich ideologiefrei. Ein engagierter und reflektierender Hauptstadtjournalist, den die 'Welt' da hat."
Wirtschaft: Kayhan Özgenc
"Der Investigativchef ließ sich von 'Fake News'-Vorwürfen aus dem VW-Konzern nicht aus dem Konzept bringen und berichtete auch in diesem Jahr wieder exklusiv über die Folgen nach dem Skandal um manipulierte Dieselmotoren. So deckte er unter anderem hohe Zahlungen für Ex-Vorstände auf. Auch beim Aldi-Nord-Imperium gab es kaum jemanden, der näher an den Entwicklungen und Familienstreitigkeiten um die Zukunft des Discounters dran gewesen wäre als Özgenc. Last, but not least musste Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon zurücktreten, nachdem Özgenc in der BamS über Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Steuerhinterziehung berichtete." (Özgenc, Bild am Sonntag)
Kultur: Nils Minkmar
"Im entscheidenden Jahr 2017, in dem Frankreichs Wahl über Zukunft oder Zerfall der EU entschied, begleitete er die Entwicklung des Landes, ohne sich auf politische Analyse zu beschränken: Er hat den Lesern die französische Gesellschaft und Kultur begreiflich gemacht. Wer ihn las, verstand, wieso Emmanuel Macron gewählt wurde. Seine Texte mündeten in dem kürzlich erschienenen großen Essay 'Das geheime Frankreich', ohne Zweifel der aktuell beste journalistische Text über unser Nachbarland." (Minkmar, Der Spiegel)
Unterhaltung: Eva Schulz
"Politik und Unterhaltung für junge und junggebliebene Leute - wie geht das denn? Eva Schulz macht es vor: Mit 'Deutschland 3000' hat sie für Funk ein starkes eigenes Videoformat etabliert, das politisch und klug und unterhaltsam ist. Und tatsächlich funktioniert. Dass ihre Form des Social-Media-Journalismus ein 1a-Mittel gegen Politikverdrossenheit ist, zeigte sich gerade rund um die Bundestagswahl: Die Videos sahen gerne mal 70.000 Leute, in Spitzenzeiten sogar 500.000."
Sport: Jessy Wellmer
"Die Sportschau hat eine Journalistin zurück! Viel Fußballwissen zeigte sie schon bei der 14-Uhr-Samstagsendung bei Radio Eins; ebenso dass sie eine gute Reporterin und Fragestellerin am Spielfeldrand ist. Nun glänzt sie mit einer sehr erfrischenden Sportschau-Moderation. Und ab Januar wird sie obendrein das ARD-Mittagsmagazin moderieren."
Wissenschaft: Tanja Krämer und Christian Schwägerl
"Was Schwägerl und Krämer da mit RiffReporter auf die Beine gestellt haben, sucht ihresgleichen: eine Genossenschaft mit Plattform für Wissenschaftsjournalisten. Damit sie sich vernetzen, neue Projekte zusammen initiieren, dazu Beratung und Startup-Unterstützung. Über allem steht der wissenschaftsjournalistische Impetus, den evidenzbasierten Kern von Journalismus in den Vordergrund zu rücken - in Zeiten, in denen das Postfaktische wichtiger zu werden droht."
Reporter national: Lara Fritzsche
"Mit ihrem Essay 'Kulturschock' hat Fritzsche nicht nur bewiesen, dass sie die Ich-Form meisterhaft beherrscht. Sie hat mit dieser Reflexion politischer Diskussion im eigenen Bekannten- und Familienkreis auf den Punkt gebracht, was die gesellschaftliche Debatte dieses Jahres ausmacht: der Umgang mit kruden Argumenten gegen Minderheiten, das Unbehagen von 'Das darf man doch wohl noch sagen', die Grenzziehung zwischen der Uniformität politischer Korrektheit und Anstand - und die eigene Unsicherheit." (Fritzsche, SZ-Magazin)
Reporter regional: Julia Rathcke
"Rathckes Berichterstattung über die AfD im Wahlkampf und die versuchte Unterwanderung durch Reichsbürger verdient großen Respekt. Trotz der vielen Anfeindungen vor und hinter den Kulissen ließ sich die Jungreporterin in ihrer Recherche und Analyse nicht beirren und zeigte in Berichten und Kommentaren kritisches Analysevermögen und starke Meinungskompetenz. Ihre Beharrlichkeit steckt in jedem ihrer Texte." (Rathcke, Rheinische Post, Düsseldorf)
Entrepreneur: Susann Hoffmann, Nora-Vanessa Wohlert und Teresa Bücker
„Edition F hat sich als digitale Plattform für Frauen längst einen Namen gemacht - und im Jahr 2017 die großen Debatten rund um Sexismus und Gleichberechtigung entscheidend mitbestimmt. Dazu hat das Team um die Gründerinnen Hoffmann, Wohlert und Chefredakteurin Bücker mit der Female Future Force eine neue Art Fortbildungsakademie für Frauen aufgebaut - die darüber hinaus als Netzwerk funktioniert. Die richtige Initiative zur richtigen Zeit."
Team: Team Paradise Papers, Rechercheverbund SZ/WDR/NDR
"Ziemlich genau ein Jahr lang werteten Investigativteams im Rechercheverbund um die Ressortleiter Nico Richter (SZ), Monika Wagener (WDR) und Stephan Wels (NDR) 13,4 Millionen Dokumente aus, als Teil eines internationalen Netzwerks. Daraus entstanden sind unter dem gemeinsamen Titel 'Paradise Papers' große multimediale Dokumentationen und etliche Folgegeschichten, die aufdecken, wie Milliardäre, auch Regierungschefs weltweit und internationale Konzerne Steuern vermeiden und hinterziehen. Aufklärung wie diese ist die Basis von Journalismus. Ihr gehört die Zukunft."
Lebenswerk: Ingrid Kolb
Aus der Jurybegründung: "Die Lehrmeisterin ganzer Journalistengenerationen ist zugleich auch quasi die Mutter der #MeToo-Kampagne. Schon ihre erste Titelgeschichte 1977 für den 'Stern', in der sie die sexuelle Belästigung in deutschen Büros anprangerte, löste deutschlandweit heftige Diskussionen zwischen Zuspruch und Ablehnung aus. 1980 sorgte sie auch mit ihrem Buch über den 'Mythos von der sexuellen Befreiung' für Furore."
Sonderpreis: Deniz Yücel und Unterstützerkreis #FreeDeniz
Die Jury ehrt den "Welt"-Korrespondenten und seinen Unterstützerkreis #FreeDeniz für die zu Unrecht inhaftierten Kolleginnen und Kollegen 2017 mit einem Sonderpreis für den beharrlichen und unbeugsamen Kampf für die Pressefreiheit als die Basis eines freiheitlich-demokratischen Gemeinwesens.

2016

Journalisten des Jahres: Bastian Obermayer, Frederik Obermaier und Vanessa Wormer
Begründung: "Es war der Scoop des Jahres: 2,6 Terabyte Datenmaterial hatte das Investigativ-Team der 'Süddeutschen Zeitung' in Kooperation mit dem ICIJ und weltweit 400 Journalisten rund ein Jahr lang durchforstet und schließlich crossmedial aufbereitet. Mit den 'Panama Papers' deckten sie im Frühjahr 2016 die Machenschaften dubioser Briefkastenfirmen und ihrer Kunden auf. Weltweit war die Wirkung der Aufdeckungen enorm - und ein Ende ist nicht in Sicht. Diese Arbeit ist ein Musterbeispiel für kollaborativen Journalismus ... Das SZ-Team ließ sich nicht von der komplizierten Datenfülle schrecken und bewies eindrucksvoll, was beharrliche, akribische journalistische Recherchen leisten können - Aufklärung im besten Sinne."
Lebenswerk: Alexander Kluge
Begründung: "Alexander Kluge, geboren 1932 in Halberstadt, hat die deutsche Film- und Fernsehentwicklung seit gut 50 Jahren maßgeblich mitgestaltet - als einer der klügsten und intellektuellsten Köpfe des Journalismus. Er machte mit seiner Firma dctp, gegründet 1987, das Privatfernsehen klug. Wie wenig er sich stets mit Erreichtem zufriedengibt, zeigt sich an der unaufhörlichen Weiterentwicklung seiner Formate: So agiert seine Produktionsgesellschaft dctp heute auch erfolgreich im Internet. Seine Aktivitäten als Medienschaffender sind von seltener Vielfalt ... Alexander Kluge ist ein ewig Rastloser auf der Suche nach weiterführenden Antworten auf die drängenden Fragen der Zeit. Das zeichnet einen Journalisten im besten Sinne aus."
Team: Correctiv
"Das Team von correctiv.org hat durch seine Arbeit die Recherche in Deutschland neu befruchtet. 2016 arbeitete das Recherchebüro mit rund 60 Medienpartnern an gesellschaftlich relevanten Themen zusammen, veröffentlichte mehrere Bücher und die 'Bibliothek der verborgenen Dokumente', inspirierte ein Theaterstück, gab Workshops zum Auskunftsrecht, gründete eine neue Lokalredaktion (correctiv.ruhr) und ein Fellowship-Programm für Datenjournalismus. Correctiv ist eine Bereicherung und nicht mehr wegzudenken." Infos zu den Redaktionsmitgliedern: https://correctiv.org/correctiv/redaktion/
Chefredaktion national: Jochen Wegner
Begründung: "Jochen Wegner ist zum Vordenker für digitalen Qualitätsjournalismus in Deutschland avanciert und der Erfolg gibt ihm 2016 nicht nur mit schwarzen Zahlen recht: Eine ausgeruhte, analytische Berichterstattung (vor allem bei großen Lagen wie Nizza, München, Brexit, Türkei, Trump), mobil optimierte Formate ('Live-Dossiers', 'Kartengeschichten') bescherte Zeit Online größere Marktanteile als SZ und FAZ. Er überlässt die Leserdebatte nicht Facebook, sondern betreibt eine offene, klug moderierte Kommentarcommunity mit rasant wachsendem Zuspruch. Und mit Z2X, dem jungen Festival 'zur Verbesserung der Welt', kreierte er ein neues, erfolgreiches Veranstaltungsformat."
Chefredaktion regional: Lorenz Maroldt
Begründung: "Maroldt hat sich im Berliner Wahljahr als der politische Agenda-Setter der Stadt etabliert: Sein 'Checkpoint'-Newsletter war die maßgebliche Kritikerstimme der Lokalpolitik. Als der im Chefredakteurs-Duo (mit Stephan-Andreas Casdorff) Verantwortliche für das Lokale in Berlin hat er im Juni mit 'Tagesspiegel Leute' ein innovatives hyperlokales Projekt für alle zwölf Stadtbezirke auf die Beine gestellt mit wöchentlichem Newsletter nach dem Erfolgsmodell seines 'Checkpoints'."
Politik: Dunja Hayali
Begründung: "Herz, Hirn, Haltung - diese Trias passt auf die bekannteste Frühaufsteherin. Im Sommer-'Donnerstalk' zeigte sie bemerkenswerte Qualitäten als politische Debattenführerin, ihre klugen Interviews im 'MoMa' zeugen von Unerschrockenheit und Unvoreingenommheit: Dunja Hayali will die Mechanismen der Fremdenfeindlichkeit verstehen und sucht souverän den Dialog mit Andersdenkenden, ob auf einer AfD-Demo oder bei Pegida. Journalistinnen wie sie braucht es mehr."
Wirtschaft: Gabriele Fischer
Begründung: "Die Chefredakteurin des Wirtschaftsmagazins findet immer wieder Antworten auf Fragen, die sich noch niemand gestellt hat. 'Es denkt nicht für dich!', lautete eine davon in diesem Jahr. Das Schwerpunktheft im Juli brachte die technische und ethische Debatte zur Digitalisierung klug auf den Punkt. Mit 'Achtung Fakten' setzte 'Brand eins' einen wichtigen Akzent in der Debatte zur Objektivität im postfaktischen Zeitalter: Auf welcher Grundlage bewerten wir eigentlich Aktienkurse, Unternehmen, Mitarbeiter? Gabriele Fischer gelang es auch 2016 immer wieder, Themen originellen Tiefgang zu verleihen. Als Agenda-Setterin ist sie unentbehrlich."
Kultur: Johanna Adorján
Begründung: "Eine kluge, gebildete Kulturkennerin mit exzellenter Beobachtungsgabe (die sie auch in ihrem dritten Roman 'Geteiltes Vergnügen' 2016 erneut bewies): Wenn die FAZ meint, nach 15 Jahren auf eine Frau mit diesen schreiberischen Qualitäten verzichten zu können: Bitte schön. Johanna Adorján glänzt nun bei der 'Süddeutschen Zeitung'. Gleich ihr erstes Stück auf der Seite Drei, über den Schriftsteller Sebastian Fitzek, war ein kleines Meisterwerk. Bitte weiter so."
Unterhaltung: Jan Böhmermann
Begründung: "Er polarisiert - und das ist gut so: Man muss ihn nicht mögen, man muss sein Schmähgedicht auf den türkischen Präsidenten Erdogan nicht für ein satirisches Meisterwerk halten - man kommt trotzdem nicht an ihm vorbei. Jan Böhmermann ist es wie keinem anderen seines Genres gelungen, im Jahr 2016 wichtige Diskussionsprozesse anzustoßen: über die Türkei, über die Grenzen der Satire, über Opportunismus und Liebedienerei mancher Politiker und Journalisten."
Wissenschaft: Christina Elmer
Begründung: "Datenjournalismus und Wissenschaft sind für sie eine natürliche Verbindung. Die Art, wie Christina Elmer Daten visualisiert, setzt Maßstäbe. So setzte sie 2016 zwei interaktive Deutschlandkarten zu Rentenprognosen für 2040 um. Ein andermal entwickelte sie (gemeinsam mit dem Recherchebüro Correctiv) eine durchsuchbare Ärzte-Datenbank über Zahlungen der Pharma- Lobby an Mediziner."
Sport: Rafael Buschmann
Begründung: "Im Frühjahr diskutierte die gesamte Fußballwelt darüber, wer genau hinter der anonymen Enthüllungsplattform Football Leaks steckt, die all die Dokumente über die Superstars des Sports veröffentlichte. Und ihm ist es als erstem Journalisten weltweit gelungen, einen der Whistleblower aufzuspüren. 'Jagd auf Little John' von Rafael Buschmann ist eine der unglaublichsten und spannendsten Reportagen des Jahres."
Reporter national: Jaafar Abdul Karim
Begründung: "Seine Sendung 'Shababtalk' oder sein Vlog sind Entdeckungsreisen: Abdul Karim ist wie kein anderer Reporter immer unterwegs, um ganz nah bei den Menschen zu sein. Allein 2016 war er zu Recherchen in der Türkei, im Libanon, im Irak, in Jordanien und in Qatar. Jaafar Abdul Karim serviert keine vorgefertigte Meinung, er lässt Menschen diskutieren. Er ist eine Bereicherung für die Medienlandschaft in Deutschland."
Reporter regional: Marc Rath
Begründung: "Marc Rath wühlt sich seit 2014 durch die Briefwahlaffäre in Stendal. Sie erwies sich als bis dato größter Fall von Wahlfälschung in der Geschichte des Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Landtagspräsident Hardy-Peter Güssau musste am 15. August zurücktreten. Die Wahlleiter von Stadt und Landkreis wurden abberufen. Aber der Autor wurde von der nicht aufklärwilligen CDU im Kreis Stendal angefeindet."
Entrepreneur: Martin Hoffmann
Begründung: "Mit Mut zum Risiko hat er seinen festen Job bei Springer gekündigt, sich einen Traum erfüllt und ein journalistisches Startup gegründet. Mit seinem Messenger-Bot Resi zeigt er, dass journalistisch-technische Innovationen auch aus Deutschland kommen können. Mit seinen Freunden hat Hoffmann eine App gebaut, die mindestens deutschlandweit einzigartig ist und vielen Medien den richtigen Weg zeigt."

2015

Journalistin des Jahres: Anja Reschke
<span style="font-family: verdana, sans-serif; font-size: 11px;">Jury: "</span><span style="font-family: verdana, sans-serif; font-size: 11px;">Journalistin mit Profil und klarer Haltung: Im Sommer 2015 zeigte Reschke mit ihrem Kommentar 'Aufstand der Anständigen' in den 'Tagesthemen', was der Journalismus in Zeiten der 'Lügenpresse'-Vorwürfe braucht: Haltung. Sie hat dafür einen Shitstorm in Kauf genommen ... Kein einzelner journalistischer Beitrag hat in diesem Jahr so viel Wirkung und Wirbel erzeugt wie dieser Kommentar ... gab dem Magazin 'Panorama' in diesem Jahr stärkere Relevanz und ihren Mitarbeitern die Möglichkeit für aufwendige Recherchen."</span>
Ehrenpreis Lebenswerk: Hans Leyendecker
<span style="font-size: 11px;">"</span><span style="font-family: verdana, sans-serif; font-size: 11px;">Es gibt keinen Enthüllungsjournalisten, der mit einer solchen Schlagzahl investigative Geschichten in den unterschiedlichsten Feldern publiziert. ... hat wiederholt mit großen Geschichten </span><span style="font-family: verdana, sans-serif; font-size: 11px;">(wie über den CDU-Spendenskandal oder die Siemens-Affäre) </span><span style="font-family: verdana, sans-serif; font-size: 11px;">die politische Debatte in Deutschland bestimmt, sich aber auch mit eigenen Fehlern selbstkritisch auseinandergesetzt. ... stets auch für den journalistischen Nachwuchs eingesetzt. Seine Lebensleistung im Dienste eines unbestechlichen, aufklärerischen Journalismus verdient hohe Anerkennung."</span>
Team: netzpolitik.org: Markus Beckedahl, Anna Biselli, Andrea Jonjic, Constanze Kurz, Andre Meister, Thomas Rudl
<span style="font-family: verdana, sans-serif; font-size: 11px;">Jury: "Plötzlich berühmt - dank 'Landesverrat'-Affäre: Wie sie diesen Kampf für eine gesamtgesellschaftliche Debatte über Pressefreiheit und Datenschutz genutzt und die ganze Journalisten-Branche zur Solidarität mit den Bloggern gebracht haben: Chapeau."</span>
Reporter regional: Ulrich Wolf
<span style="font-family: verdana, sans-serif; font-size: 11px;">Jury: "2015 wurde aus dem 'Elbflorenz' die 'Pegida- Stadt' Dresden. Ulrich Wolf hat Recherche dagegengesetzt, u. a. Lutz Bachmanns kriminelle Machenschaften aufgedeckt, sich jeden Montag trotz persönlicher Angriffe zwischen die Demonstranten gestellt. Von seinen Recherchen profitieren viele nationale Medien." (Ulrich Wolf, Sächsische Zeitung)</span>
Reporter überregional: Christoph Reuter
<span style="font-family: verdana, sans-serif; font-size: 11px;">Jury: "Der IS-Kenner schlechthin! Analytisch stark, nah an allen Brennpunkten. Gleichzeitig moderat im Ton, ohne die sonst so beliebten steilen Thesen. Seriöser, starker Journalist. Gerade in Zeiten des Terrorismus eine kluge, verlässliche Stimme und Ausnahmeerscheinung." (Christoph Reuter, Spiegel)</span>
Wissenschaft: Jakob Vicari
<span style="font-family: verdana, sans-serif; font-size: 11px;">Jury: "Das 'Ursuppe-Projekt' des reporter.bot, den Vicari 2015 gelauncht hat, fasziniert: Urzeitkrebse werden von Sensoren überwacht von der Geburt bis zum Tod und die Messdaten dank eines Algorithmus automatisch in eine Geschichte umgewandelt. Vicari schafft damit ein neues, innovatives Format: Die 'Sensor-Live-Reportage'." (Jakob Vicari, reporter.bot, Freier)</span>
Unterhaltung: Oliver Welke
<span style="font-family: verdana, sans-serif; font-size: 11px;">Jury: "Nie war Lachen gegen Tumbheit so wichtig wie heute: Dafür sorgt Oliver Welke als Anchorman der besten Satiresendung des deutschen Fernsehens. Ihm gelingt ein singulärer Spagat, 2015 besser denn je: Prägender Satirekopf und beliebter Sportmoderator. In beiden Rollen zeigt er angstfreien Biss und Humor." (Oliver Welke, Heute-Show, ZDF)</span>
Kultur: Navid Kermani
<span style="font-family: verdana, sans-serif; font-size: 11px;">Jury: "Kermani reiste auf der Balkan-Route rückwärts, über Budapest und Lesbos bis in die Türkei. Eine außergewöhnliche Reportage über das Schicksal mittelloser Afghanen und das Trauma junger Mittelschicht-Syrer, angereichert mit historischen Bezügen. Er ließ aus dem Flüchtlingsstrom Menschen werden." (Navid Kermani, freier Journalist, Spiegel)</span>
Sport: Hajo Seppelt
Jury: "Seine Recherchen haben 2015 die internationale Sportwelt erschüttert: Hajo Seppelt deckte nicht nur systematisches Doping von Spitzen-Athleten in Russland, sondern auch in Kenia auf - mit weitreichenden und anhaltenden Folgen. Seine 'Geheimsache Doping' ist bester kritischer Sportjournalismus abseits von Heldenstorys und Jubelberichten." (Halo Seppelt, ARD, freier Journalist)
Wirtschaft: Steffen Klusmann
<span style="font-size: 11px;">"</span><span style="font-family: verdana, sans-serif; font-size: 11px;">Er hat die Redaktion neu motiviert, hat das Blatt aufgefrischt und setzt mit regelmäßigen Insights aus den Unternehmen die Agenda. Der Lohn: Als einziger großer Wirtschaftstitel konnte das 'Manager Magazi'‘ die Einzelverkäufe 2015 gegen den Branchentrend deutlich steigern."</span>
Politik: Bernd Ulrich
Jury: "Bernd Ulrich kann Analyse, Einordnung, Leitartikel - zu erstaunlich vielen Themen. 'Die Naivität des Bösen' ist eine der pointiertesten Analysen zur Flüchtlingsthematik, die von ungebrochener Relevanz ist. Auch seine Leitartikel zu Syrien, TTIP, Pegida und Lügenpresse stachen heraus und boten herausragende Orientierung bei der Meinungsbildung." (Bernd Ulrich, Die Zeit)
Entrepreneur: Stephan Lamby
Jury: "Als Autor und Produzent lieferte Lamby die großen TV-Dokumentationen über die politischen Themen des Jahres. Über Wolfgang Schäuble wie Yanis Varoufakis, 'Die Volkswagen-Story' oder den Fall Deutsche Bank. Daneben zog Lamby auch das Videoportal dbate.de hoch. Bester journalistischer Unternehmergeist." (Stephan Lamby, freier Produzent, Eco Media, dbate.de)
Chefredaktion regional: Uwe Vetterick
Jury: "Seit Ende 2014 werden jeden Montag 'Lügenpresse'-Parolen direkt vor der Dresdner Verlagstür skandiert. 'Rückendeckung von oben‘ ist täglich nötig und wird von Vetterick gegeben. Zugleich treibt er Innovationen voran (z. B. Onlineportal Schul-Navigator). Bester Lokaljournalismus unter widrigsten Bedingungen: Das verdient hohe Anerkennung." (Uwe Vetterick, Sächsische Zeitung)
Chefredaktion überregional: Klaus Brinkbäumer
<span style="font-family: verdana, sans-serif; font-size: 11px;">Jury: "Klaus Brinkbäumer hat es geschafft, den 'Spiegel' zu einen und als Meinungsführer wieder zu etablieren: als hartes, auch hart recherchierendes Nachrichtenmagazin, das sich wieder etwas traut. Die Redaktion läuft auf Hochtouren, über die DFB-Enthüllungen spricht die ganze Republik."</span>

2014

Journalistin des Jahres: Golineh Atai
"... hat es geschafft, in der seit über einem Jahr andauernden Debatte über die Ukraine-Krise eine herausragende Berichterstattung zu bieten. Der Russland-Korrespondentin der ARD gelingt es, keine vorgefertigte Meinung zu reproduzieren. Sie bleibt immer genau, erklärt sich, wenn sie etwas nicht beantworten kann, zeigt außergewöhnliches Einfühlungsvermögen im Umgang mit ihren Interviewpartnern. Sie ist fair und präzise, stellt sich der Kritik, ist souverän im Umgang mit Hassbloggern und Meinungsagenten."
Ehrenpreis Lebenswerk: Frank Schirrmacher (1959-2014)
"... wird postum geehrt, weil er die intellektuellen Debatten dieser Republik wie kein anderer Journalist gefördert und geprägt hat. Er hat das Feuilleton der FAZ zu einem maßgeblichen Ort des gesellschaftspolitischen Diskurses gemacht und mit der modernen Prägung als 'Debatten-Feuilleton' Maßstäbe gesetzt. Die relevanten Themen einer Zeit des gesellschaftlichen Wandels durch die Digitalisierung hat er früh erkannt und gesetzt. ..."
Chefredaktion überregional: Kurt Kister
"Kister macht seine SZ zu einem Gesamtkunstwerk - und erbrachte mit der Wochenendausgabe den Beweis, wie sehr es sich lohnt, in Zeitung zu investieren. Zugleich gibt der Netz-Skeptiker seinen Mitarbeitern den Raum, digitale Visionen umzusetzen. Im neuen Newsroom verschmelzen Print und Online. Ohne viel Aufsehen."
Chefredaktion regional: Stephan-Andreas Casdorff und Lorenz Maroldt
"Die Doppelspitze sorgte 2014 für ein ganzes Bündel an Innovationen: 'Tagesspiegel-Agenda', der neue Zeitungsteil für Politikentscheider, neue Supplements, Newsletter und hyperlokale Blogs. Mit Erfolg: Die Reichweite im schwierigen Berliner Markt wächst."
Politik: Georg Mascolo
"Hoeneß, Abhörskandal, IS, … 2014 zeigte Georg Mascolo sein ganzes Talent als herausragender Rechercheur und Repräsentant des Rechercheverbundes WDR/NDR/SZ. Dazu glänzte er in der Rolle des sachkundigen, unaufgeregten Analytikers der Rechercheergebnisse in etlichen politischen (TV-)Diskussionen."
Wirtschaft: Bastian Obermayer
"Der Reporter des SZ-Investigativteams war 2014 an einer ganzen Reihe von großen Wirtschaftsenthüllungen beteiligt. Im Januar: die ADAC-Affäre (mit Uwe Ritzer), im Sommer: die Waffenlieferungen des deutschen Herstellers Sig Sauer in Krisenregionen, seit November: federführend über 'Luxemburg-Leaks'. Obermayer glänzt."
Kultur/Unterhaltung: Jan Böhmermann
"Respektlos, satirisch und selbstironisch ist Böhmermanns 'Neo Magazin' die schrille Antwort auf die dahingesiechte Harald-Schmidt-Show. Böhmermann macht Late Night mit Relevanz für seine Generation. Das kommt an - so gut, dass das ZDF den journalistischen Entertainer ab 2015 auch ins Hauptprogramm holt."
Sport: Moritz Müller-Wirth
"Es war das Ergebnis einer langen Vorarbeit: Müller-Wirth beschrieb mit Carolin Emcke das Coming-out von Thomas Hitzlsperger, begleitete journalistisch beispielhaft dessen aufsehenerregenden Schritt im Januar 2014. Zudem waren seine Beiträge zur WM echte Perlen, z. B. der Kommentar 'Kollektive oder Solisten?'."
Reporter: Annette Ramelsberger
"Der NSU-Prozess ist ihr Thema des Jahres und sie hat es zu unserem gemacht: Kaum ein Tag des Prozesses verging ohne Ramelsbergers Anwesenheit, ihre kritische Begleitung und journalistische Aufarbeitung der ebenso wichtigen wie juristisch zähen Materie in der SZ ist vorbildlich, kurzum: echter Qualitätsjournalismus."
Reporter - regional: Julius Tröger
"Tröger setzte 2014 datenjournalistische Impulse wie kein anderer. Seine interaktiven Anwendungen - zu Mietpreisen, Wahlen, Flugrouten, Feinstaub - sind beispielhaft für einen modernen Journalismus, der gründlich recherchiert mit überraschenden Perspektiven aufwartet und intelligent mit technischen Möglichkeiten experimentiert."
Wissenschaft: Amrai Coen und Malte Henk
"Ihr fesselndes und berührendes Dossier 'Wie das Virus in die Welt kam' über Ebola ragt unter den Wissenschaftsreportagen 2014 heraus! Die Autoren recherchierten akribisch, auch vor Ort, und erlebten nach der Rückkehr selbst Paranoia und Diskriminierung."
Newcomer: David Schraven und Team
"David Schraven und das Team von 'Correctiv' probieren neue Journalismus-Finanzierung und entfachten eine Debatte über die Gemeinnützigkeit journalistischen Tuns. Mit Themen, die eine bundesweite Bedeutung haben und lokal heruntergebrochen werden konnten, legten sie einen vielversprechenden Start hin."
Redaktion: 11 Freunde
"Viel gelobt und oft gefeiert - und immer wieder zu Recht. '11 Freunde' bleibt ein liebevoll gemachtes Magazin rund um die gesellschaftlichen Dimensionen des Fußball-Sports und online mit einem Liveticker, der immer wieder neue Maßstäbe an Leselust und Fachkenntnis setzt. Ein besonderes Highlight 2014: die Ausgabe, die unter Anleitung der Redaktion von Bundesliga-Profis mit persönlichen Texten und Einblicken ins Sport-Business gestaltet wurde."
Sonderpreis: Hate Poetry
"Der Zusammenschluss junger Journalistinnen und Journalisten verschiedener Redaktionen - alle mit Migrationshintergrund - setzt in Lesungen öffentlich Zeichen gegen die Anfeindungen, die ihnen täglich in den Kommentaren, Foren und Leserbriefen entgegengebracht werden. 'Hate Poetry' ist zur Marke und zum Vorbild für andere Redaktionen geworden: witzig, klug, unterhaltsam, schockierend und Augen öffnend. Er hilft zudem den betroffenen Journalisten, mit rassistischen Anfeindungen umzugehen."
Sonderpreis: Reporter ohne Grenzen
"Im Jahr 2014 erreichten Bedrohungen von Journalisten weltweit eine neue Dimension durch gezielte Angriffe, Geiselhaft und Ermordungen im Konflikt von Kriegsparteien. 'Reporter ohne Grenzen' sind nötiger denn je geworden: Eine Gemeinschaft mit Teamgeist, viel Mut und Engagement, die öffentlich macht, was die Mächtigen gern unter den Teppich kehren."

2013

Ehrenpreis Lebenswerk: Joachim Kaiser
aus der Begründung zur Wahl von Joachim Kaiser (Musikkritiker, Autor, Professor): "… ist der Doyen der deutschen Musikkritik. Er hat Generationen von Künstlern, Kulturliebhabern und Kollegen beeinflusst. … Kaisers Markenzeichen ist eine unerreichte Mischung von Hochbildung, Tiefgang und unterhaltsamer Schreibe. Dazu bewies er sich auch als Meister des gesprochenen Wortes in Film- und Videoformaten wie 'Kaisers Klassik-Kunde' für das SZ-Magazin."
Journalisten des Jahres: Holger Stark, Marcel Rosenbach
aus der Begründung zur Wahl der beiden (beide Der Spiegel): "… Ihnen gelang der Scoop zu dem Konfliktstoff des Jahres NSA: Ihre erste Geschichte erschien parallel zum erstmaligen Auftreten von Whistleblower Snowden. … würdigt die Jury zugleich eine außerordentlich kontinuierliche und profunde Rechercheleistung. Beide Autoren … setzten mit ihren Berichten das herausragende gesellschaftspolitische Thema des Jahres, das uns weiter begleiten wird."
Chefredaktion überregional: Gabriele Fischer
aus der Begründung zur Wahl von Gabriele Fischer (brand eins): "… beweist nachdrücklich, dass weniger wirklich mehr sein kann: Ihre monothematischen Heftschwerpunkte trafen 2013 ungewöhnlich gut den Nerv der Zeit. Die Jury honoriert mit ihrer Wahl zur Chefredakteurin des Jahres eine außerordentliche Kontinuität an journalistischer Qualität und Engagement für ihre Autoren."
Chefredaktion regional: Christian Lindner
aus der Begründung zur Wahl von Christian Lindner (Rhein-Zeitung): "… treibt wie kein anderer Chefredakteur einer Regionalzeitung die Digitalisierung seines Produkts voran. Enorm ideenreich ist er in seinem Bemühen, alle Chancen von Online und Print zu nutzen, um als Regionalzeitung Erfolg zu haben."
Politik: Günter Bannas
aus der Begründung zur Wahl von Günter Bannas (FAZ): "Wer den Berliner Politik-Betrieb verstehen will, muss Bannas lesen: analytisch, klug, hintergründig. Mit unvergleichlicher Präzision spürt der Chef des FAZ-Büros Berlin auf, was Politik in ihrem Kern ausmacht: den Diskurs, in dem Argumente formuliert, ausgetauscht, organisiert, instrumentalisiert werden."
Kultur/Unterhaltung: Stefan Sichermann
aus der Begründung zur Wahl von Stefan Sichermann (Der Postillon): "Als Ein-Mann-Redaktion entlarvt Sichermann auf seiner satirischen Fake-News-Website den (medialen) Irrsinn, etwa den Hype um den Launch der deutschen 'Huffington Post'. Niveauvolle Satire - inzwischen auch als TV-Format - mit einer gewaltigen Durchschlagskraft vor allem in sozialen Netzwerken."
Wirtschaft: Melanie Bergermann
aus der Begründung zur Wahl von Melanie Bergermann (WirtschaftsWoche): "Ihre Geschichte über die Machenschaften der S&K Immobiliengruppe zeigt exemplarisch, wie dubiose Firmen Anleger um ihr Geld bringen. Damit kam sie sogar der Staatsanwaltschaft zuvor. Zudem sorgte sie 2013 für weitere exklusive Enthüllungen wie über die Marseille-Kliniken oder den Kunststoffteilehersteller Balda."
Sport: Jens Weinreich
aus der Begründung zur Wahl von Jens Weinreich (freier Journalist): "… hat im Rahmen der IOC-Präsidentenwahl mit seinem über Crowdfunding finanzierten Buch eine hervorragende, kritische journalistische Arbeit geleistet und zur transparenten Aufklärung der Verhältnisse hinter der IOC-Wahl gesorgt."
Reporter: Olaf Przybilla, Uwe Ritzer
aus der Begründung zur Wahl von Olaf Przybilla, Uwe Ritzer (beide Süddeutsche Zeitung): "… haben in langer und juristisch komplexer Recherchearbeit maßgeblich daran mitgewirkt, dass der Justizskandal um Gustl Mollath neu aufgerollt wurde und der Mann aus der Psychiatrie freikam."
Reporter regional: Kaija Kutter, taz nord
aus der Begründung zur Wahl von Kaija Kutter (taz nord): "Ihre Berichte haben zur Schließung der Haasenburg-Jugendheime in Brandenburg geführt. Sie deckte auf, dass dort 'schwer erziehbare Jugendliche' unter menschenunwürdigen Bedingungen weggesperrt wurden, statt sie pädagogisch zu betreuen. Mit Kollege Kai Schlieter (Berlin) machte sie das bundesweit bekannt."
Wissenschaft: Nicola Kuhrt
aus der Begründung zur Wahl von Nicola Kuhrt (Spiegel Online): "Für den Report 'Die Teststrecke': Nach monatelangen Recherchen, u. a. in bislang geheimen Akten der Stasi, bewies sie (mit Politik-Kollege Peter Wensierski), wie die DDR ihre Bürger an westliche Pharmafirmen zu Forschungszwecken verkaufte. Und sie sprach als Erste mit einem Lobbyisten, der sich ins Gesundheitsministerium einschleuste."
Newcomer: Özlem Gezer
aus der Begründung zur Wahl von Özlem Gezer (Der Spiegel): "In allen Disziplinen ein Ausnahmetalent: Recherche, Tiefgang, Hartnäckigkeit und Stil. Ihr Thema: Zuwanderer. Ihr Zugang: direkt, packend, ohne Sozialkitsch, ohne Blatt vor dem Mund. Sie schrieb Reportagen über Radikalisierung, Zuwanderung und das Geschäft damit. Investigativ, klug, toll geschrieben."
Redaktion: NDR / Süddeutsche Zeitung Investigativteams
aus der Begründung zur Wahl: "Ihre gemeinsamen Beiträge zu den Offshore-Leaks sowie zum 'Geheimen Krieg' setzen neue Standards im Team-Journalismus. Über die Mediengrenzen hinweg setzt die Achse Hamburg - München auch international gesehen neue Maßstäbe in kooperativen Recherchen."
Sonderpreis: Sebastian Essers "Krautreporter"
aus der Begründung zur Wahl: "Mit der Crowdfunding-Plattform Krautreporter hat Esser einen neuen Weg aufgebaut, journalistische Projekte zu finanzieren. In Zeiten minimaler Honorare, schrumpfender Redaktionen und ungewisser Paywall-Finanzierung schuf er mit seiner Plattform eine Möglichkeit für 'Unternehmer-Journalisten', um auf eigene Faust aufwendige Recherchen und Projekte zu ermöglichen."
Sonderpreis: NSU Watch
aus der Begründung zur Wahl: "Das NSU-Watchblog des Apabiz e. V. klärt unabhängig und zweisprachig (deutsch/türkisch) über die Terrorzelle des Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) auf. Ein antifaschistisches Projekt, an dem ein ganzes Team von Journalisten und Wissenschaftlern arbeitet und das mit kritischen Presseschauen, Rechercheergebnissen und Analysen erkennbar Früchte trägt. Das verdient Anerkennung und Unterstützung."

2012

Ehrenpreis Lebenswerk: Wolf Schneider
aus der Begründung zur Wahl von Wolf Schneider (Journalist & Lehrer): "Sein Urteil ist ebenso gefürchtet wie geachtet: Wolf Schneider, stets scharf in Sprache und Analyse, hat mehrere Journalisten-Generationen geprägt."
Journalist des Jahres: Rolf-Dieter Krause
aus der Begründung zur Wahl von Rolf-Dieter Krause (Leiter des WDR/ARD-Studios in Brüssel): "... weil er im europäischen Schicksalsjahr der Eurokrise zum Erklärer Europas wurde ... Sein unermüdliches Bemühen um mehr europäische Transparenz, gepaart mit Skepsis, Sachkompetenz und Sprachvermögen, machten ihn 2012 zur Ausnahmeerscheinung im deutschen Fernsehen."
Chefredaktion: Wolfgang Büchner
aus der Begründung zur Wahl von Wolfgang Büchner (dpa): "Hat aus der dpa ein Unternehmen mit multimedialenVisionen und technologischen Innovationen gemacht, ohne den Markenkern anzutasten."
Politik: Sonia Seymour Mikich
aus der Begründung zur Wahl von Sonia Seymour Mikich (WDR): "In 'Monitor' hat sie zehn Jahre lang als Chefin und Moderatorin gezeigt, wie unverzichtbar politische Magazine sein können. Nun sorgt sie als Leiterin WDR-Inland dafür, dass solche Magazine und Dokus nicht in einer Nische verschwinden."
Kultur: Nils Minkmar
aus der Begründung zur Wahl von Nils Minkmar (FAZ): "Hat mit seiner vorurteilsfreien und augenöffnenden Begleitung der Europa- und Finanzkrise 2012 immer wieder für Gesprächsstoff und Denkanstöße gesorgt."
Unterhaltung: Charlotte Roche, Jan Böhmermann
aus der Begründung zur Wahl von Charlotte Roche und Jan Böhmermann ("Roche & Böhmermann"/ZDF Kultur): "Grenzwertig, geschwätzig - all das mag auf ihre Show zutreffen, aber eben auch das: frech, unkonventionell und informativ. Eine Ausnahmeerscheinung in den Talkshow-Fließbandproduktionen."
Sport: Evi Simeoni
aus der Begründung zur Wahl von Evi Simeoni (FAZ): "Geht es keineswegs nur um sportliche Siege und Niederlagen. Das zeigt eindrucksvoll ihr erster Roman 'Schlagmann' über einen Hochleistungssportler, der am Leistungsdruck zugrunde geht. Dahinter steht eine andere, kritischere Auffassung von Sportberichterstattung, die hilft, die (Sport-)Welt besser zu verstehen."
Wissenschaft: Jürgen Kaube
aus der Begründung zur Wahl von Jürgen Kaube (FAZ): "Verarbeitet wichtige gesellschaftspolitische Themen zu klugen, kurzweiligen Beiträgen, die Meinung im besten Sinne bilden."
Reporter: Christoph Reuter
aus der Begründung zur Wahl von Christoph Reuter (frei, Stern, Zeit, Geo): "Hat 2012 über Monate unter schwierigsten Bedingungen aus Syrien und einer Region im Umsturz berichtet. Seine Berichterstattung über das Massaker in Hula warf ein grelles Schlaglicht auf ein Verbrechen, das sonst wohl international verborgen geblieben wäre."
Newcomer: Niklas Schenck, Daniel Drepper
aus der Begründung zur Wahl von Niklas Schenck/Daniel Drepper (Frei/WAZ): "Haben mit hartnäckiger Recherche zu den Medaillenvorgaben für die Olympiasportler und dem Kampf um 'ihr' Recht im Zusammenhang mit dem Informationsfreiheitsgesetz die Behörden das Fürchten gelehrt. Echte Nachwuchstalente."
Regional Chefredakteure: Joachim Braun
aus der Begründung zur Wahl von Joachim Braun (Nordbayerischer Kurier): "Steht für besten unerschrockenen Lokaljournalismus: Geradlinig und kantig scheut er keine Konfrontation mit Funktionären, auch beim Abschneiden redaktioneller Zöpfe (z. B. Vereins-Berichte)."
Regional Autoren: Wolfgang Kaes
aus der Begründung zur Wahl von Wolfgang Kaes (Bonner Generalanzeiger): "Ist ein Lokalreporter mit Vorbildcharakter: Mit Beharrlichkeit und Spürsinn setzt er Themen, die berühren und bewegen."
Redaktion des Jahres: heute show
aus der Begründung zur Wahl der "heute show"/ZDF (mit Anchorman Oliver Welke): "In einem Jahr, das politisch und wirtschaftlich wenig Anlass zum Lachen gab, hat die 'heute show' mit Bravour bewiesen, wie trotzdem oder eben gerade deswegen intelligenter Humor funktionieren kann. Die freitäglichen Lachnummern sind modernes politisches Kabarett, das süchtig macht."
Sonderpreis: Pro Quote
aus der Begründung zur Wahl der Journalistinnen-Initiative für mehr weibliche Führungskräfte in Redaktionen: "Weil sie quasi handstreichartig dafür gesorgt hat, dass ihre Forderung zu einem wirklich relevanten Thema in den Redaktionen 2012 wurde. Die Vielzahl der Reaktionen … hat tatsächlich etwas in Bewegung gesetzt und trägt bereits erkennbar Früchte."
Wirtschaft: Jörg Eigendorf
aus der Begründung zur Wahl von Jörg Eigendorf (Leiter des Investigativressorts der Welt-Gruppe): Berichterstattung über die Luxusreisen von Journalisten auf Kosten von ThyssenKrupp.